Interview mit Rüdiger Bölling über das Arbeiten in den Inklusionsbetrieben

Rüdiger Bölling, Betriebsleiter im Logistikzentrum der bdks – inklusionsbetriebe gmbh, über seine Arbeit.

Herr Bölling, Sie arbeiten in einem Inklusionsbetrieb. Damit sind sicherlich besondere Herausforderungen verbunden. Bitte erzählen Sie uns von diesen.
Ich bin als Betriebsleiter in dem Logistikzentrum der bdks – inklusionsbetriebe gmbh in Baunatal tätig. Dieses Unternehmen ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des Baunataler Diakonie Kassel e.V. Aufgabe der Gesellschaft ist es, Menschen mit einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung einen Arbeitsplatz zu geben und sie am Arbeitsmarkt zu integrieren.

In unserem Logistikzentrum werden überwiegend Dienstleistungen im Verpackungs- und Montagebereich für die Automobilindustrie übernommen. Aktuell beschäftigen wir dort ca. 100 Mitarbeiter*innen. Zudem gibt es in den bdks – inklusionsbetrieben gmbh übrigens noch den Bereich Systemgastronomie in Kassel sowie die Abteilung Metallverarbeitung in Immenhausen. Insgesamt beschäftigen wir etwa 140 Mitarbeiter*innen mit und ohne Behinderung.

Die tägliche Herausforderung in meiner Arbeit liegt darin, die unterschiedlichen Arbeitsaufträge unter Berücksichtigung der individuellen Beeinträchtigungen und Leistungsgrade unserer Mitarbeiter*innen aber auch unter Berücksichtigung der Vorgaben des Auftraggebers zu bearbeiten. Die Wirtschaftlichkeit unseres Handelns spielt für uns natürlich eine sehr wichtige Rolle, jedoch ist auch viel Raum für Rücksichtnahme und soziale Aspekte.

Die individuelle ergonomische Ausgestaltung des Arbeitsplatzes steht für mich ebenfalls im Fokus meiner Arbeit. Der Einsatz von Hilfsmitteln muss gut überlegt sein, ebenso die Anpassung des Arbeitsplatzes an die einzelnen Aufträge, damit jeder Mitarbeiter*innen seine tägliche Arbeit möglichst leicht und zudem effektiv erledigen kann.

Zu berücksichtigen sind zusätzlich die täglichen Leistungs- und Gemütsschwankungen der einzelnen Mitarbeiter*innen, denn oft bringt eine körperliche Beeinträchtigung auch eine seelische Belastung mit sich, die sich dann oft auch im Arbeitsalltag wiederfindet.

Aber ich werde mit diesen vielfältigen Aufgaben nicht allein gelassen. In meinem Team stehen mir pädagogische Mitarbeiter*innen sowie Sozialarbeiter*innen zur Seite, die mich in der Entscheidungsfindung und die Mitarbeiter*innen in der täglichen Arbeit professionell unterstützen. Des Weiteren arbeiten wir eng mit dem Integrationsfachdienst zusammen.

Welche Wünsche haben Sie für die Zukunft?
Für die Zukunft würde ich mir natürlich wünschen, dass wir das Unternehmen und die Arbeitsplätze noch lange erhalten können. In vielen Gesprächen mit Kollegen*innen anderer Unternehmen, Freunden, der Familie und auch Bekannten bekomme ich immer wieder das Feedback, dass sie es gut finden, dass es unser Unternehmen gibt und dass sie meine Arbeit hoch interessant und wichtig finden.

Zudem wünsche ich mir aber auch, dass sich die Politik und die Wirtschaft noch mehr auf das Thema Inklusion von Menschen mit einer Schwerbehinderung einlassen würden. Es sollte für Menschen mit einer Behinderung mehr Möglichkeiten einer adäquaten Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt geben, so dass es einmal als modern und normal angesehen wird, dass es nicht nur gesunde und starke Menschen im Leben gibt!

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